Für das Bohren in Feinsteinzeug, das eine Ritzhärte von 8 auf der Mohs-Skala erreicht, ist ein Diamantbohrer das einzig geeignete Werkzeug, um saubere und bruchfreie Löcher zu erzielen. Herkömmliche Fliesenbohrer sind für diesen Härtegrad unzureichend und können die Fliese beschädigen oder selbst schnell verschleißen.
Das Wichtigste auf einen Blick
Das Wichtigste in Kürze:
- Feinsteinzeug besitzt eine hohe Ritzhärte von bis zu 8 und erfordert spezielle Diamantbohrer.
- Mieter sollten Bohrlöcher in Fugen bevorzugen und nur dann in die Fliese bohren, wenn dies technisch unumgänglich ist, um Haftungsrisiken zu vermeiden.
- In Feuchträumen ist nach dem Bohren eine fachgerechte Abdichtung mit Sanitärsilikon entscheidend, um die Wasserdichtigkeit zu gewährleisten.
Feinsteinzeug und normale Fliesen: Die entscheidenden Unterschiede
Wenn wir von Fliesen sprechen, denken viele zuerst an die klassischen Keramikfliesen, die unsere Großeltern schon in der Küche hatten. Doch die Welt der Fliesen hat sich weiterentwickelt, und hier kommt das Feinsteinzeug ins Spiel. Der Unterschied ist vor allem in der Materialbeschaffenheit zu finden, die beim Bohren wichtig ist.
Fliesen bestehen grundsätzlich aus Steingut, Steinzeug oder Feinsteinzeug. Gewöhnliche Keramikfliesen, wie Steingut oder traditionelles Steinzeug, sind weniger dicht gebrannt und weisen eine Ritzhärte zwischen 3 und 4 auf der Mohs-Skala auf. Diese weicheren Fliesen lassen sich mit speziellen Fliesen- und Glasbohrern noch gut bearbeiten, da die Werkzeuge härter sind als das Fliesenmaterial.
Feinsteinzeug hingegen ist sehr widerstandsfähig. Es wird unter hohem Druck gepresst und bei sehr hohen Temperaturen gebrannt, was ihm eine extrem dichte und nahezu porenfreie Struktur verleiht. Diese Dichte macht Feinsteinzeug kaum wasseraufnahmefähig und damit widerstandsfähig gegen Frost und Flecken. Gleichzeitig erreicht es eine Ritzhärte von bis zu 8. Diese Härte ist der Grund, warum herkömmliche Bohrer an ihre Grenzen stoßen und wir hier auf spezielle Werkzeuge zurückgreifen müssen.
Der Diamantbohrer: Ihr Werkzeug für Feinsteinzeug
Der richtige Bohrer durchdringt Feinsteinzeug ohne Risse oder Beschädigungen. Angesichts der hohen Ritzhärte von Feinsteinzeug, die bei 8 liegt, kommen nur Bohrer infrage, die selbst noch härter sind. Hier führt kein Weg am Diamantbohrer vorbei.
Diamant ist das härteste bekannte Material und ermöglicht es, präzise und saubere Löcher in das extrem widerstandsfähige Feinsteinzeug zu bohren. Sie erkennen Diamantbohrer oft an ihrer speziellen Beschichtung oder den eingelagerten Diamantsegmenten. Ihre Standzeit und Effizienz sind bei harten Materialien wie Feinsteinzeug unerreicht.
Glasbohrer oder herkömmliche Fliesenbohrer erreichen nicht die notwendige Härte, um Feinsteinzeug effizient und sicher zu durchdringen. Bei Kontakt mit Feinsteinzeug würden sie schnell verschleißen, überhitzen oder die Fliese zum Springen bringen. Die Ritzhärte des Bohrers ist oft auf der Verpackung angegeben; achten Sie darauf, dass dieser Wert über dem der zu bohrenden Fliese liegt. So vermeiden wir unnötigen Materialverlust und Frustration.
Ihre Bohraufgabe: Die passende Werkzeugwahl
Die Wahl des optimalen Diamantbohrers hängt stark von den spezifischen Anforderungen Ihres Projekts ab. Stimmen Sie die Werkzeugwahl auf die Gegebenheiten ab, um ein effizientes und sicheres Ergebnis zu erzielen. Als Richtschnur können Sie sich an folgenden Profilen orientieren:
- Für gelegentliche Einzelbohrungen in Trockenbereichen: Benötigen Sie lediglich ein oder zwei Löcher für leichte Gegenstände wie einen kleinen Handtuchhaken oder einen Spiegel in einem Gäste-WC, genügt ein hochwertiger, einzelner Diamantbohrer (z.B. mit 6 bis 8 mm Durchmesser). Eine sorgfältige manuelle Kühlung mit Wasser schont den Bohrer und die Fliese. Die Investition in ein komplettes Set wäre in diesem Fall überdimensioniert.
- Für mehrere Bohrungen oder den Einsatz in Nassbereichen: Bei umfangreicheren Projekten, etwa einer Badrenovierung mit mehreren Befestigungspunkten in Duschen oder um Badewannen, empfiehlt sich ein professionelles Diamantbohrer-Set. Diese Sets umfassen oft verschiedene Durchmesser und sind für den Nassschnitt optimiert, was die Lebensdauer der Bohrer erhöht und das Risiko von Rissen minimiert. Eine Bohrschablone aus Kunststoff kann zusätzlich die Präzision verbessern und ein Abrutschen verhindern.
- Für Spezialanwendungen und große Durchmesser: Für sehr große Durchmesser, Serienbohrungen oder die Installation von Rohrdurchführungen im gewerblichen Bereich sind Nass-Diamantbohrkronen mit integrierter Wasserzufuhr die erste Wahl. Diese sind in der Anschaffung zwar teurer, bieten jedoch höchste Effizienz, Präzision und Lebensdauer und sind für den Dauereinsatz konzipiert.
Als Faustregel gilt: Ab der dritten Bohrung oder bei jedem Einsatz in Feuchträumen ist eine höhere Qualität und Nassbohrtechnik empfehlenswert. Das minimiert das Risiko von Beschädigungen und spart langfristig Zeit und Geld.

Schritt für Schritt: Feinsteinzeug präzise bohren
Ein sauberes Bohrloch in Feinsteinzeug zu erzielen, erfordert Sorgfalt, und gelingt mit den richtigen Schritten. Eine gründliche Vorbereitung sorgt oft für Erfolg und Sicherheit Ihrer Arbeit.
Zuerst markieren Sie den genauen Bohrpunkt auf der Fliese präzise mit einem Bleistift. Um ein Abrutschen des Bohrers zu verhindern und die Fliesenoberfläche zu schützen, kleben Sie ein Stück Kreppband auf die Anbohrstelle. Dieses bietet dem Bohrer zusätzlichen Halt beim Start. Tragen Sie stets Ihre persönliche Schutzausrüstung: Eine Schutzbrille schützt die Augen vor Splittern, und eine Staubmaske (FFP2) ist unerlässlich, um Ihre Atemwege vor feinem Staub zu bewahren.
Setzen Sie den Diamantbohrer im rechten Winkel zur Fliese an. Starten Sie die Bohrmaschine mit einer sehr niedrigen Drehzahl und ohne Schlagfunktion. Dies bringt den Bohrer sicher in Position und vermeidet ein Abrutschen. Sobald der Bohrer gefasst hat und sich eine kleine Mulde bildet, können Sie die Drehzahl langsam erhöhen. Üben Sie dabei nur leichten, aber stetigen Druck aus. Zu viel Druck führt zu Überhitzung und kann sowohl die Fliese als auch den Bohrer beschädigen.
Die Kühlung ist der kritischste Aspekt beim Bohren in Feinsteinzeug. Diamantbohrer erzeugen bei der Arbeit viel Reibungswärme, die den Bohrer ausglühen und die Fliese zum Reißen bringen kann. Kühlen Sie die Bohrstelle während des gesamten Vorgangs kontinuierlich mit Wasser. Sie können einen feuchten Schwamm um die Bohrstelle legen, eine Wasserflasche mit kleiner Öffnung nutzen, um Wasser tröpfchenweise zuzuführen, oder, bei professionellen Werkzeugen, Bohrkronen mit integrierten Wasserkammern verwenden.
Wasserdichte Bohrungen in Feuchträumen: So schützen Sie Ihre Wände
Das Bohren in Fliesen von Feuchträumen, wie in Duschbereichen oder um Badewannen, stellt besondere Anforderungen an die Ausführung. Hier geht es nicht nur darum, ein sauberes Loch zu bohren, sondern vor allem darum, die Wasserdichtigkeit der Wandkonstruktion zu erhalten und langfristige Feuchtigkeitsschäden zu vermeiden. Eine undichte Bohrstelle kann zu erheblichen Reparaturkosten führen.
Nachdem Sie das Loch gebohrt und den Dübel gesetzt haben, ist eine fachgerechte Versiegelung unerlässlich. Hierfür verwenden wir in der Regel hochwertiges Sanitärsilikon. Spritzen Sie das Silikon großzügig in das Bohrloch und auf den Rand des Dübels, bevor Sie die Schraube eindrehen. Achten Sie darauf, dass das Silikon die Öffnung vollständig umschließt und eine dichte Barriere bildet.
Auch der Bereich um das angebrachte Accessoire selbst sollte gegebenenfalls mit einer dünnen Silikonfuge abgedichtet werden. Dies verhindert das Eindringen von Spritzwasser hinter die Fliese und in die Wandkonstruktion. Nehmen Sie sich für diese Abdichtungsarbeiten ausreichend Zeit, denn sie sind entscheidend für den dauerhaften Schutz Ihrer Wände vor Nässe und Schimmelbildung.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Alternativen: Was Mieter wissen müssen
Bevor wir überhaupt zum Bohrer greifen, müssen wir einen wichtigen Punkt klären, der oft übersehen wird: die rechtliche Seite, insbesondere in Mietwohnungen. Das Amtsgericht Paderborn hat mit einem Urteil vom 8. April 2024 (51 C 135/23) klargestellt, dass das Anbohren von Fliesen nur dann eine vertragsgemäße Nutzung darstellt, wenn das Bohrloch nicht in der Fuge platziert werden kann. Das bedeutet, Mieter sollten bevorzugt in die Fugen bohren, sofern dies technisch möglich ist, um eine mögliche Schadensersatzpflicht gegenüber dem Vermieter zu vermeiden.
Dieser rechtliche Rahmen unterstreicht auch die Relevanz von Alternativen zum Bohren. Viele Badaccessoires lassen sich heutzutage hervorragend mit moderner Klebetechnik sicher an der Wand befestigen, ohne die Fliesen zu beschädigen. Dies ist eine elegante Lösung, um die Fliesen unversehrt zu lassen und sich späteren Ärger mit dem Vermieter zu ersparen. Gerade bei leichten bis mittelschweren Gegenständen wie Handtuchhaltern oder Seifenschalen ist die Klebetechnik eine ernstzunehmende Option, die ich Ihnen ans Herz legen möchte, um die Bausubstanz zu schonen.
Prüfen Sie vor dem ersten Bohrloch immer die Untergrundbeschaffenheit und ob es sich um eine tragende Wand handelt. Bei Zweifeln an der Art der Wand oder wenn Sie feste Elektroinstallationen, Gas- und Trinkwasserleitungen sowie tragende Bauteile berühren müssten, ziehen Sie unbedingt einen eingetragenen Fachbetrieb hinzu. Bei Bauteilen aus der Zeit vor 1993 besteht zudem Asbestverdacht, hier ist äußerste Vorsicht geboten.
Nachdem Sie die Löcher gebohrt und Ihre Accessoires befestigt haben, empfehle ich Ihnen, die Stabilität und Dichtigkeit aller Anbauteile zu überprüfen. So stellen Sie sicher, dass Ihre Arbeit nicht nur schön aussieht, sondern auch dauerhaft hält und keine Folgeschäden entstehen.
Häufig gestellte Fragen zum Fliesenbohren (FAQ)
In Fliesen bohren als Amateur – wird das schiefgehen?
Mit der richtigen Vorbereitung, dem passenden Werkzeug (Diamantbohrer) und einer sorgfältigen Arbeitsweise können auch Amateure erfolgreich in Fliesen bohren. Das Wichtigste ist, langsam zu arbeiten, ausreichend zu kühlen und die Schlagfunktion der Bohrmaschine auszuschalten, um Risse zu vermeiden.
Ein sauberes Loch in die Fliese bohren, ganz ohne Risse?
Ja, ein sauberes Loch ohne Risse ist möglich. Verwenden Sie einen scharfen Diamantbohrer, kühlen Sie die Bohrstelle kontinuierlich mit Wasser und arbeiten Sie mit geringem, gleichmäßigem Druck. Das Ankleben von Kreppband auf die Anbohrstelle hilft zudem, ein Abrutschen zu verhindern.
In Fugen bohren?
Laut einem Urteil des Amtsgerichts Paderborn (8.4.2024, 51 C 135/23) ist das Bohren in Fliesen bei Mietwohnungen nur dann eine vertragsgemäße Nutzung, wenn das Bohrloch nicht in der Fuge platziert werden kann. Bohren Sie daher, wenn möglich, in die Fugen, um die Fliesen selbst unversehrt zu lassen und eine mögliche Schadensersatzpflicht zu vermeiden.
Diamantbohrer oder Fliesenbohrer?
Für Feinsteinzeug, das eine hohe Ritzhärte von 8 besitzt, sind Diamantbohrer zwingend erforderlich. Herkömmliche Fliesenbohrer, die für weichere Materialien (Ritzhärte 3-4) konzipiert sind, sind für Feinsteinzeug nicht geeignet und können zu Beschädigungen oder einem schnellen Verschleiß des Bohrers führen.
Richtig in Fliesen bohren?
Um richtig in Fliesen zu bohren, markieren Sie die Stelle, kleben Sie Kreppband an, nutzen Sie einen Diamantbohrer ohne Schlagfunktion, beginnen Sie mit niedriger Drehzahl und kühlen Sie permanent mit Wasser. Halten Sie den Bohrer senkrecht und üben Sie nur leichten Druck aus.
Die Informationen in diesem Artikel dienen nur zur Orientierung. Ziehen Sie für jedes Bauvorhaben eine qualifizierte Fachkraft hinzu, die Ihre Situation nach den geltenden Normen beurteilen kann.
Quellen
Für diesen Artikel ausgewertete Seiten:
- www.vermieter-ratgeber.de/fachmagazin/rechtsprechung-kompakt/nicht-einfach-wild-drauflos-bohren.html (abgerufen am 10. Septembert 2026)
- www.bosch-diy.com/de/de/all-about-diy/fliesen-bohren (abgerufen am 10. September 2026)





